Warum ein Aktionsplan in Weißensee/Heinersdorf?

Um einen Überblick über das Aktionsgebiet Weißensee/ Heinersdorf zu bekommen, wurde im Rahmen der Entwicklung des Lokalen Aktionsplans eine Situations- und Ressourcenanalyse erstellt. Grundlage dafür waren neben vorhandenen Expertisen über den Bezirk Pankow eine Befragung von 33 Bewohner/innen aus Weißensee/Heinersdorf. Diese wurden im Sommer 2011 in ihrem lokalen Kontext nach Wahrnehmungen der Situation in Weißensee/ Heinersdorf, erfahrenen Veränderungen und möglichen Konfliktherden befragt. Die Antworten sind als subjektive Ausschnitte bzw. Hinweise auf die Situation vor Ort zu verstehen.

 

Zu Wahrnehmungen von Rechtsextremismus, Rechtspopulismus, Rassismus und Antisemitismus

Seit 2010 kristallisierte sich Weißensee zunehmend als ein regionaler Schwerpunkt rechtsextremer und rassistischer Aktivitäten heraus. Allerdings sind Neonazis durch die strategische Veränderung von Dresscodes in der organisierten Szene im öffentlichen Raum unauffälliger geworden. Interviewpartner/innen sprachen davon, dass sie „weniger Rechtsextreme sehen, als noch vor ein paar Jahren“, wobei sie aber auch wussten „dass diese heute nicht mehr so leicht zu erkennen seien“. Allerdings lässt sich von diesem Rückgang der „Sichtbarkeit“ von Rechtsextremismus eben nicht auf einen Rückgang von rechtsextremen Einstellungen schließen. So hieß es u.a.:

„Am Outfit erkennt man es nicht mehr so, Springerstiefel etc. sind verschwunden oder weniger geworden. Rechtsextremismus ist als Thema von der Oberfläche verschwunden, das heißt aber nicht, dass er nicht mehr da ist.“

Als Orte für Rechtsextremist/innen wurden häufig der Weiße See, insbesondere aber das Blumenfest, der Antonplatz sowie die Langhansstraße und angrenzende Straßen genannt. Hierbei handelt es sich allerdings weniger um feste Treffpunkte, als viel mehr um Orte in Weißensee, wo die Wahrscheinlichkeit, auf Neonazis zu treffen, als am größten eingeschätzt wurde. Auch bei der konkreten Frage nach Angsträumen wurden der Antonplatz und die Langhansstraße immer wieder genannt.